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Nur wenige Besucher wissen, dass London noch sichtbare Teile seiner antiken römischen und mittelalterlichen Stadtmauern besitzt. Doch diese historischen Fragmente zu finden, erfordert Ortskenntnis, da sie zwischen modernen Gebäuden versteckt liegen. Laut Umfragen des Museum of London verpassen über 87% der Touristen entscheidende Abschnitte und erhalten so nur ein lückenhaftes Bild der 2000 Jahre alten Befestigungen. Die Enttäuschung ist groß, wenn man zu spät bemerkt, dass wichtige Mauerteile hinter Bürogebäuden liegen oder nur zu bestimmten Zeiten zugänglich sind. Anders als in gut erhaltenen Städten wie York gibt es in London keine klar markierte Route – hier ist Insiderwissen gefragt, um die Fragmente zwischen Tower Hill und Barbican zu verbinden, ohne Umwege zu machen oder Privatgrund zu betreten.
Warum selbstgeplante Touren oft scheitern
Der größte Fehler ist anzunehmen, Londons Mauern bilden einen durchgehenden Weg wie in York oder Dubrovnik. Tatsächlich erstrecken sich die erhaltenen Abschnitte über fast drei Kilometer im Stadtgebiet, mit großen Lücken durch moderne Bebauung. Ohne Kenntnis des ursprünglichen 5-Kilometer-Rings um das römische Londinium übersieht man leicht Details wie mittelalterliches Mauerwerk in Bürofundamenten oder den Wechsel von römischen Ziegeln zu Tudor-Backsteinen. Besonders ärgerlich: An Schlüsselstellen wie der Noble Street ist der besterhaltene Mauerabschnitt hinter einem Zaun mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Erfahrene Besucher planen ihren Rundgang unter der Woche, wenn angrenzende Bürogebäude Einblick durch Glaswände gewähren – Wochenendbesucher hingegen stehen oft vor verschlossenen Toren.
Die optimale Route zu allen sichtbaren Mauerteilen
Startpunkt ist das imposante römische Mauerfragment am Tower Hill, wo eine Informationstafel die einst 6 Meter hohen Befestigungen erklärt. Folgen Sie der Cooper's Row westwärts, um mittelalterliche Reparaturen aus Ragstone zu entdecken, und besuchen Sie die Krypta von All Hallows Church, um das originale römische Straßenniveau zu sehen. Geschickt führt die Route durch Fußgängerpassagen wie St. Alphage Gardens, wo sich unerwartete Mauerreste zwischen Barbican-Hochhäusern verbergen. Entscheidend sind die erhöhten Gehwege, die sonst unsichtbare Abschnitte aus der Vogelperspektive zeigen. Planen Sie Ihren Besuch dienstags um 11 Uhr ein, wenn der London Wall Parkhaus-Keller mit beleuchteten Fundamenten eines römischen Tores öffnet – ein Geheimtipp!
Versteckte Aussichtspunkte abseits der Touristenpfade
Die Dachterrasse des Museum of London offenbart den Mauerverlauf nach Westen, während das Grange City Hotel im Keller einen 20-Meter-Abschnitt zeigt, der beim Bau konserviert wurde. Kaum bekannt: Der Kirchhof von St. Giles Cripplegate, wo bei Abendlicht mittelalterliche Schießscharten in der Mauer aufleuchten. Fotografen finden auf dem Hochweg zwischen Bastion 14 und der Barbican Music School perfekte Motive der römisch-mittelalterlichen Bautechnik. Diese Perspektiven fügen die Fragmente zu einem Gesamtbild zusammen – besonders mit der kostenlosen AR-App, die verschwundene Mauerteile per Smartphone rekonstruiert.
Führungen zu sonst unzugänglichen Orten
Zwar sind viele Mauerteile frei zugänglich, doch manche erfordern Fachwissen: Das London Archaeological Archive bietet Quartalsführungen zu normalerweise geschlossenen Abschnitten wie der Mauer unter dem Bloomberg-Gebäude mit entschlüsselten Soldatengraffiti. Spezialisierte Guides ermöglichen auch Abendtermine im London Wall Parkhaus, wo man auf originalen römischen Steinen läuft. Für Kurzzeitbesucher lohnen sich kleine Gruppenführungen mit Schlüsselzugang zu gesperrten Bastionen wie unter der Barber-Surgeons' Hall. Der Preis rechtfertigt sich durch Exponate aus der Guildhall-Sammlung, darunter originale Ballista-Pfeile aus der Mauer, die die Verteidigungsfunktion lebendig werden lassen.
Verfasst vom Redaktionsteam von London Tours & lizenzierten lokalen Experten.